Mythen und brutale Realität der IT – Branche

Nov 05, 2019
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Was möchte das IT-Unternehmen Andersen mit der Organisation öffentlicher Treffen mit Swetlana Aleksijevitsch, Artemiy Troitsky, Stanislau Schuschkewitsch und anderen bedeutenden Persönlichkeiten erreichen? Warum lohnt es sich, Greta Thunberg zuzuhören? Und ist es wahr, dass IT-Leute Angst haben, die Frauen kennenzulernen? Darüber und über vieles anderes hat Radio Free Europe mit dem Gründer des IT-Unternehmens Andersen, Alexander Khomitsch gesprochen.

 

Das Unternehmen Andersen befindet sich auf mehreren Etagen des Wolkenkratzers Royal Plaza im Zentrum von Minsk, und aus jedem Bürofenster ist ein malerisches Panorama der Hauptstadt zu sehen. Der 42-jährige Alexander Khomitsch hat grundsätzlich kein eigenes Büro, und unser Gespräch findet in einem Besprechungsraum statt, durch dessen Glaswände uns alle Mitarbeiter sehen können.

Alexander Khomitsch wurde in der Stadt Polozk geboren und hat eine örtliche Schule, Lyzeum der BSU, Fakultät für Physik der BSU absolviert. Kernphysiker. Im Jahre 2008 gründete er Andersen, wie es sich für IT-Unternehmen gehört, “in der Garage”. Seit mehr als zehn Jahren verwandelte sich das Unternehmen in ein IT-Outsourcing-Dienstleister des High-Tech-Parks mit Niederlassungen in Russland, der Ukraine und Weißrussland und fast tausend Mitarbeitern. Gleichzeitig nennt Khomitsch sein Unternehmen als bescheiden und durch seine wirtschaftlichen Leistungen noch nicht weit bekannt.

Von einem Bodybuilding – Trainer zu Schuschkevitsch, Aleksijevitsch und Troizkij

— Warum hat Andersen entschieden, das Geld in die Organisation der öffentlichen Treffen in Minsk mit solchen Persönlichkeiten wie der Nobelpreisträgerin Swetlana Aleksijevitsch, dem Musikkritiker und Publizist Artemij Troizkij, dem russischen Musiker und Schriftsteller Petr Mamonov und anderen anzulegen?

– In allen IT-Unternehmen finden die Treffen nach den Interessen statt, bei denen bestimmte Aufgaben besprochen werden. Es gibt regelmäßige Firmentreffen und Geburtstagsfeiern freitags. Wir dachten: Warum sollte sich das Leben eines Programmierers nur auf seine beruflichen Interessen oder die Interessen des Teams beschränken? Warum kann es nicht auf gewöhnliche menschliche Interessen wie die Gesundheit erweitert werden. Und der erste, wen wir eingeladen haben, war Bodybuilder Vladimir Van Lee. Er erzählte den Jungs, wie man am Tisch setzen, wie man die Hände halten muss, wie man den Rücken nicht abreißt und hat eingeladen, in seinem Fitnessstudio zu trainieren.

Ungefähr vierzig Leute sind gekommen, um ihm zuzuhören. Dann sagt ein Kollege: “Hört man, es gibt doch Stanislaw Schuschkevitsch, er ist schon alt, lasst uns ihn einladen.” Wir dachten: Wer sind wir und wer ist Stanislaw Stanislawovitsch, der erste Führer des Landes. Übrigens ein Physiker, wie ich. Aber er stimmte sofort zu. Er erzählte über seinen Lebensweg – wie er ein Kind war, Student, Doktorand, Abteilungsleiter, über seine Schritte in der Politik, über politische Ansichten, über das Leben am Ende einer politischen Karriere.

Nach Stanislaw Stanislawovitsch dachten wir: Was ist wenn wir unseren „William Shakespeare“ – Swetlana Aleksijevitsch einladen? Und hier hatten wir auch Glück – ein Wunder geschah, sie stimmte zu, weil sie auch Interesse an IT-Leute hatte.

In dem Film „Forrest Gump“, als die Hauptfigur die Gemütserregung hatte, ist er einfach gelaufen. Er rannte zu einem Ozean, drehte sich um und rannte zu einem anderen. Alle schauten ihn mit Befremden an und fanden dann ein Zeichen für sich in seinen Handlungen. Sie fragten: Warum rennt er? Für den Frieden? Er antwortete: “Ich renne einfach, weil ich renne.”

Indem ich diese Frage beantworte, sage ich, dass es für mich einfach interessant ist, sich damit zu beschäftigen, weil diese Leute für mich und das Publikum interessant sind. Wir orientieren uns nicht nur an der Popularität, sondern vor allem an Lebensposition, Kreativität und dem Mehrwert, den diese Menschen für die Gesellschaft gebracht haben.

Das Treffen mit Swetlana Aleksijevitsch war eines der wärmsten. Sie ist interessant als Gesprächspartnerin und, wie ich sie fühlte, eine Person, die ziemlich leicht und angenehm in der Kommunikation ist.

Über Versuche der Zensur

— Während der Vorbereitung des Treffens mit Aleksijevitsch gab es bestimmte Zensurversuche der Organisatoren in Bezug auf die Arbeit der Journalisten auf der Veranstaltung, in Ergebnis gab es keine Zensur. Welche Schlussfolgerungen haben die Veranstalter aus diesen Erfahrungen gezogen?

— Alles begann dramatisch. Wie Sie zu Recht bemerkt haben, konnte die Zensur immer noch nicht durchgeführt werden. Die ersten Treffen fanden in unserem gemütlichen Büro statt, an denen ca. 200 Personen teilnahmen. Und als wir angekündigt haben, dass wir Swetlana Aleksijevitsch eingeladen haben, registrierten sich auf der Website ungefähr 400 Personen innerhalb von 3-4 Stunden, von denen etwa 50 Journalisten waren. Noch nie zuvor hatten wir eine solche Aufmerksamkeit für unser bescheidenes Unternehmen.

In gewissem Maße schien es uns, dass wir, wenn wir die Organisatoren und Ideologen dieser Veranstaltung sind und uns in erster Linie vom Wunsch leiten lassen, die Welt zu verbessern, die Möglichkeit haben, die Texte zu kontrollieren, die Journalisten nach dem Treffen präsentieren können. Viele Reden von Aleksijevitsch enden mit dem einen oder anderen politischen Schlagwort, dem ich ziemlich zurückhaltend gegenüberstehe. Ehrlich gesagt, ich wollte nicht, dass Schlagwörter auf den Standorten meiner Firma verteilt werden.

Als die Marketingabteilung Journalisten aufforderte, Materialien zur Verfügung zu stellen, wurde ich sofort Rückschrittler, ein Freiheitsunterdrücker in einem jungen Land, was mich in gewissem Maße bekannt gemacht hat. Infolgedessen schwang das Pendel in die andere Richtung. Wir sagten: Wenn so, dann schaut euch an, wie die Demokratie sein sollte – und arrangierten eine Live-Übertragung. In Ergebnis haben wir gewonnen, das Treffen verlief ruhig. Die Zensur endete mit einer Online- Übertragung.

Was ich wollte, hat geklappt: Leute redeten, diskutierten die Bücher von Aleksijevitsch. Ich persönlich war sehr beeindruckt von dem Buch „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“, dann habe ich alle andere ihre Bücher gelesen.

— Welches Buch ist Ihr Lieblingsbuch?

— «Second-Hand Zeit», Erinnerungen der Menschen, die den Zusammenbruch der Sowjetunion überlebt haben. Das liegt mir sehr am Herzen, weil ich selbst Zeuge dieser Ereignisse bin. Später luden wir Artem Drapkin zu einem öffentlichen Treffen ein, bei dem nicht nur die Erinnerungen von sowjetischen Veteranen, sondern auch von Deutschen gesammelt werden. Mir war die Meinung interessant, wie und worum die deutschen Soldaten in diesem Krieg gekämpft haben.

«Hätten wir Tickets verkauft, würde dies den Fokus auf den Handel verlagern»

— Öffentliche Treffen fanden an renommierten Minsker Veranstaltungsorten statt und kosteten für das Unternehmen viel. Meines Erachtens ist dies ein so erfolgreicher, wahrscheinlich der erste Versuch in Belarus, eine eher geschlossene IT-Community mit der Zivilgesellschaft zu verbinden. Was ist Ihr langfristiges Ziel?

— Diese Frage verleiht meiner Arbeit einen Sinn. Wenn wir Tickets verkaufen würden, würde dies den Schwerpunkt auf den Handel verlagern, und wir möchten eine saubere Beziehung. Egal wie viel ein Ticket kostet, ein Rubel oder 100 Rubel. Das Fehlen von Eintrittskarten ist wichtig, damit die Teilnehmer an diesen Meetings teilnehmen können, mit Verständnis, dass es hier nicht um den Wunsch geht, das Geld zu verdienen.

— Oder ist das Ihre persönliche Initiative?

— Ja. Ich bin der Ideologe dieses ganzen Prozesses. Ich glaube nicht, dass meine Kollegen die Weiterentwicklung dieser Richtung unterstützen würden. Das Geld ist relativ klein. Ohne den Verkauf von Tickets sind wir beschränkt und können keine Personen einladen, die eine hohe Gebühr für einen Besuch entrichten. Die größte finanzielle Belastung – eine Raummiete, Kaffee und anderes. Momentan können wir es uns leisten.

— Haben Sie sich vielleicht nach der Praxis des intellektuellen Klubs von Swetlana Aleksijevitsch orientiert? Oft wurde ihr vorgeworfen, dass ihre Gäste hauptsächlich aus Russland stammten. Haben Sie über eine Einladung in der Zukunft kultiger Persönlichkeiten nachgedacht, die nicht aus Russland stammen?

— Als ich mich auf ein Treffen mit Aleksijevitsch vorbereitete, fand ich heraus, dass sie einen intellektuellen Club hat. Ich habe einen bedeutenden Teil meines Lebens in Russland verbracht. Meine Eltern sind Russen. Die russische Kultur steht mir sehr nahe, wie meisten unseren Landsleuten. Russland hört nicht auf, Tolstoi und Dostojewskij zu produzieren. Diese Namen sind bekannt, und es ist bequemer und einfacher, sie einzuladen, als den Blick auf Westeuropa oder die Vereinigten Staaten zu richten.

Was die belarussischen Gäste angeht, wenn politische Führer und hochrangige Führungskräfte zustimmen, zu uns zu kommen und mit jungen Leuten, IT-Leuten, zu sprechen, das bedeutet das kann für sie interessant sein. Wir sind sehr an Außenminister Vladimir Makej interessiert. Vielleicht laden wir ihn ein, zu uns zu kommen.

«Ich teile die Ansichten von Stanislaw Stanislawovitsch nicht, zumindest weil er ein Idealist ist»

— Sie haben ein Treffen für Mitarbeiter mit dem ersten Chef des unabhängigen Weißrusslands, Stanislaw Schuschkevitsch, abgehalten. Sie haben betont, dass die politischen Ansichten des Gastes und der Organisatoren unterschiedlich sein können. Warum halten Sie deutlich Abstand zur Politik?

— Stanislaw Stanislawovitsch ist ein wunderschöner Mensch mit einem wachen Geist. Er hat mich sofort nach allen Lehrern der Abteilung für Kernphysik gefragt. Warum versuche ich, mich von der Politik fernzuhalten? Wahrscheinlich, weil ich die Ansichten von Stanislaw Stanislawovitsch nicht teile, schon allein, weil er ein Idealist ist.

Ich habe ihn als einen Menschen gespürt, der an Demokratie glaubt, der glaubt, dass aufgrund der Tatsache, dass sich die Menschen selbst organisieren, wirtschaftliche und außenpolitische Erfolge in kurzer Zeit eintreten werden. Leider sind wir nicht so gut dafür, dass dies in kurzer Zeit geschieht.

«Ich kann diese Art der Entlassung vom derzeitigen Präsidenten Amerikas nicht übernehmen»

— Sind Sie kein Idealist?

— Nein. Ich muss das Unternehmen leiten, erfolgreich machen, weiterentwickeln, und manchmal muss ich unpopuläre, schwierige Entscheidungen treffen. Die Effizienz wird in vielen Fällen von der Wirksamkeit jeder Einheit bestimmt. Und manchmal geraten gute menschliche Beziehungen in Konflikt mit der Tatsache, dass diese Person für das Unternehmen nicht nützlich ist und Sie gezwungen sind, sich von ihr zu trennen. Die Beziehungen können mit der Zeit wiederherstellt werden, aber in der Regel brechen sie zusammen.

— Wir sind durch das Büro des Unternehmens gelaufen, und die Fürsorge für die Mitarbeiter ist hier sofort spürbar. Sie beginnt mit einem wunderschönen Panorama und endet mit den Plätzen, an denen man essen, entspannen, sich hinlegen und Tennis spielen kann. Und wie verabschieden Sie sich von den Mitarbeitern? Bringen Sie sie nicht mit der Wache aus dem Gebäude nach der sogenannten amerikanischen Entlassungsmethode?

— Der amerikanische Präsident war bekannt für seine genug markante Art, sich von Mitarbeitern der Korporation Trump Organization zu trennen. Wenn der Chef schreit im Eifer einem Mitarbeiter im Trump-Stil «Du bist gefeuert», unterzeichnet er tatsächlich seinen Nichtprofessionalismus. Ich kann diese Art der Entlassung vom derzeitigen Präsidenten Amerikas nicht übernehmen.

In unserem Unternehmen verlassen viele auf eigene Initiative. Es gibt Wettbewerber auf dem Markt, die hart daran arbeiten, unsere besten Mitarbeiter zu locken, aber wir versuchen wiederum, ihre Mitarbeiter zu locken. Kurz gesagt, es gibt immer etwas, mit dem man sich beschäftigen kann.

Gehälter der Weltklasse

— Wie hoch ist das Durchschnittsgehalt im Unternehmen?

— Ziemlich hoch. Das Wunder der IT geschieht nicht sofort. Es passiert, wenn du deine Effektivität beweist. Ein junger Spezialist kommt zu uns mit dem Gehalt 600 belarussische Rubel. Innerhalb kürzester Zeit verdreifacht sich der Lohn. Ein junger Spezialist, der ein Jahr lang gearbeitet hat, kann etwa 1.500 bis 2.000 Rubel erhalten. Ferner entwickelt sich eine Karriere in Übereinstimmung mit dem Talent und Fleiß eines Mitarbeiters.

Die Gehälter können sehr hoch sein, sie entsprechen dem Weltniveau. Ein belarussischer Programmierer kann sich so viel leisten wie ein deutscher oder französischer. Visuell sind die Gehälter in Westeuropa oder den USA höher. In Kalifornien können Spezialisten auf dem gleichen Niveau wie wir bis zu 10.000 US-Dollar pro Monat und 120.000 US-Dollar pro Jahr erhalten. Aber die Kosten für Waren und Dienstleistungen sind dort viel höher, es gibt mehr Steuern, und mit einem solchen Gehalt kann er nicht gut leben.

Die IT – Branche hat weltweit den gleichen Gehalt festgelegt, in Übereinstimmung mit der wirtschaftlichen Entwicklung, der Anzahl der Steuern und der Preise auf dem Inlandsmarkt für Waren und Dienstleistungen in dem Land, in dem sich die Entwicklungsabteilung befindet.

Wenn wir uns andere Wirtschaftszweige ansehen, scheinen viele etwas veraltet zu sein. Die Produkte werden im Osten konsumiert – in Russland, Kasachstan, und es ist sehr schwierig, auf dem westlichen Markt „mitzuhalten“. Und in der IT – Branche gehen 96 Prozent der Exporte in unserem Land in die EU und in die USA. Im ersten Fall sehen die Ergebnisse der Arbeit (ich möchte andere Branchen nicht beleidigen) nicht modisch und modern aus, aber in unserer Sphäre gibt es wirklich eine lange Schlange, um die Gehirne und Dienstleistungen unserer Leute zu kaufen. Es ist nicht verwunderlich, dass die IT – Branche wächst in unserem Land zur Freude und zum Neid.

Wir können sagen, dass diese Branche in gewisser Weise subventioniert wird. Durch die Teilnahme am High-Tech-Park erhalten dort ansässige Unternehmen Steuervergünstigungen. Dies ist eine Gelegenheit für Unternehmen, die keine Repräsentanz in Belarus haben, hierher zu kommen und ein höheres Einkommen als im eigenen Land zu erzielen. Dank dieser Bedingungen wurde Belarus im postsowjetischen Raum als ein Land ausgezeichnet, in dem die IT-Branche vertreten ist und sich besser entwickelt. Wenn es nicht so wäre, wäre es nicht so deutlich, aber es wäre immer noch so.

 «Wenn eine globale Weltkrise eintritt, wird der Bedarf an IT-Ressourcen weniger»

— In einem der Interviews haben Sie gesagt, dass die besten IT-Spezialisten in Belarus bleiben. Welche Voraussetzungen sind dafür erforderlich?

— Es geht nicht um Bedingungen, sondern um Nachfrage. Die Nachfrage könnte sinken, und die Bedingungen werden nicht helfen. In den Jahren 2008 und 2014 gab es eine Situation, in der der Markt eine große Anzahl von IT-Spezialisten, freien Spezialisten und nicht viele Projekte hatte.

Man muss verstehen, dass dieser Markt sehr riskant ist, und wenn Sie Ihren Vektor nur an die IT lenken, ohne die Richtung zu diversifizieren, können Sie auf ein großes Risiko stoßen. Wenn eine globale Weltkrise eintritt, werden weniger IT-Ressourcen benötigt werden. Eine große Anzahl von Menschen ist möglicherweise arbeitslos. Das muss man verstehen. Wer gewarnt ist, ist bewaffnet.

— Jetzt möchte fast jedes belarussische Schulkind ein IT-Spezialist werden, dieser Beruf ist jetzt sehr modern und prestigeträchtig geworden. Aber braucht man wirklich so viele Spezialisten auf diesem Gebiet? Oder wird es in Zukunft der gefragteste Beruf sein?

— Vor kurzem bin ich die meisten belarussischen technischen Universitäten besucht. Ich lernte Studenten kennen, bot ihnen die Teilnahme an unserer Olympiade an, sprach mit Rektoren der Universität und sah die Augen von Kindern, die mich als „Himmlische Person“ betrachteten, die eine solche Firma besitzt und deren Arbeitgeber werden kann.

Die Leute möchten in der IT – Branche arbeiten, da es hier eine Möglichkeit gibt, viel Geld zu verdienen. Sie vergessen, dass dieser Beruf nicht für alle akzeptabel ist. Wir brauchen mathematische Logik. Programmierer sitzen den ganzen Tag und überlegen, wie sie einen Algorithmus komponieren, man muss die Nuancen des Algorithmus berücksichtigen und die Verstrickungen mit anderen Teilen des Programms erreichen.

Ich muss zugeben, als ich als Programmierer gearbeitet habe, habe ich bereits nach 5 Arbeitsstunden unter den Tisch gerutscht und nicht weiter nachdenken konnte. Daher wird es für diejenigen, die eine humanitäre Einstellung haben, sehr schwierig sein, eine Karriere wird nicht erfolgreich sein und daher wird es keine Einnahmen geben.

Daher würde ich empfehlen, indem man einen Beruf wählt, zu fragen, ob man die Mathematik in der Schule mochte. Dann wird es auf jeden Fall klappen, und wenn Sie Literatur, Lieder und Tänze mögen, dann finden Sie auch einen Beruf im IT-Bereich, aber ein bisschen anderen – es gibt Marketing, Vertrieb, Design.

«Englisch ist unser alles»

— Wie bewerten Sie die Ausbildung heutiger Kinder in technischen Fächern?

— Die geistigen Fähigkeiten der Weißrussen, Russen und Ukrainer, die zu uns kommen, um zu arbeiten, sind von Natur aus recht hoch. Wenn noch eine gute Ausbildung erworben wurde, wird ein Mensch in jedem Fall eine Karriere machen, er wird nicht ohne sein Stück Brot und Butter gelassen werden.

Ich habe die Mittelschule in Polozk absolviert, die letzten beiden Klassen habe ich am Lyzeum der BSU studiert (ich helfe immer noch meiner Alma Mater). Diejenigen, die dort gelernt haben, waren unglaublich schlau, wie Astronauten.

Nach den ersten beiden Universitätskursen verfügen die Studierenden in der Regel über einen relativ allgemeinen Kenntnisstand in den von uns benötigten Programmiersprachen. Die Universitäten können mit der Geschwindigkeit des Technologiewandels nicht Schritt halten. Ein zweimonatiges Praktikum und ein dreimonatiges Labor machen aus einem Universitätsabsolventen einen Plus- oder Minus-Spezialisten, der in den Projekten vertreten sein und an Aufgaben arbeiten kann.

Ich achte besonders darauf, dass Englisch unser Alles ist. Es sollte die gleiche Ebene haben, wie Russisch und Belarussisch. Ich spreche jetzt mit Ihnen Russisch, mit bestimmten Besonderheiten und Akzent kann ich auch Englisch mit den Journalisten sprechen. Die Unkenntnis der englischen Sprache schränkt die Aussichten erheblich ein, denn der Markt ist dann nur Russland.

«Die Jungs sind Programmierer, die Frauen sind Tester»

— In unserem Unternehmen haben wir etwa 20% Frauen. Die Jungs sind hauptsächlich Programmierer, die Frauen, hauptsächlich Tester. Bei der Überprüfung des Softwarebetriebs sind die Frauen pünktlicher, skrupulöser und systematischer als Männer. Unter den Testern gibt es mehr Frauen. Aber in der Unternehmensanalyse sind Männern und Frauen 50 zu 50.

Am Anfang hatten wir eine kleine Firma, in der nur Männer arbeiteten. Nach einer Weile, als wir genug Mittel hatten um uns einen HR zu ermöglichten (Personalberater – PC.), sagte ich: „Lasst uns eine Frau einstellen, damit wir zumindest lächeln, wenn wir zur Arbeit kommen, und nicht mit solchen Gesichtern sitzen.“ In der Personalabteilung arbeiten bei uns nur Frauen. Niemand ist besser in der Lage zu sein, unsere Stimmung zu verbessern, die Möglichkeit zu bieten, sich auszusprechen und uns auf eine effiziente Produktionsarbeit einzustellen.

Mythen über IT – Leute

— Die in Belarus bevorzugte IT-Sphäre hat verschiedene Mythen erworben. Was ist der häufigste Mythos über IT-Mitarbeiter? Und welche Mythen versuchen Sie zu zerstören, auch durch Treffen mit bedeutsamen Persönlichkeiten?

— Die wichtigsten Mythen: IT-Leute interessieren sich für nichts anderes als für ihre Arbeit, sie haben blasse Gesichter, sie sind ununterbrochen in der Nähe des Computers, was zu einer gewissen Gesellschaftswidrigkeit führt. Dies ist eher ein Problem nicht der Programmierer, sondern ein Problem unseres Jahrhunderts. Es wird falsch sein zu sagen, dass dies nicht so ist, dass wir rotbackige Sportler haben, die sowohl im Schreiben von Programmen als auch im Kampfring gut sind. Der Beruf gibt das Gepräge. Dies gilt auch für andere Berufe. Wenn die Wirtschaftsprüfer, Buchhalter, Makler, Technologen usw. in einem Unternehmen zusammengeführt würden, würden sie größtenteils gleich aussehen. Jeder starrt den ganzen Tag auf den Computer, ohne die Augen abzuwenden.

Ein anderer Mythos oder eine andere Wahrheit über IT-Leute ist die Steifheit beim Kennenlernen einer Frau, dieses Problem wird jedoch durch die entsprechenden mobilen Programme (hallo, Tinder) oder die entsprechenden Getränke in Bars gelöst.

Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter in unserem Unternehmen beträgt 28 Jahre. Ich selbst bin 42 Jahre alt und bin für mein Unternehmen ganz organisch. Es gibt einen Mythos, dass Programmierer jung sein sollten und dass Menschen nach 35 Jahren weniger effektiv im Programmieren sind. Das ist eine vorurteilshafte Einstellung. Obwohl es wirklich schwierig ist, einen grauhaarigen Programmierer im Büro zu finden.

Angesichts der Tatsache, dass immer mehr Leute einstellt werden, gehen vor diesem Hintergrund jene „Dinosaurier“ verloren, die sich noch an das Lochband oder die IBM-Computer mit riesigen Bildschirmen erinnern. Sie mögen in der Regel keine open space (Büros mit offener Planung. – PC.). Viele öffnen ihre eigenen Richtungen. Die Qualität ihrer Arbeit nimmt nicht ab. Das sind nach allen Maßstäben noch junge Menschen.

Natürlich geht mit dem Alter eine gewisse Schärfe des Geistes verloren, es kommt zu mehr Dogmatismus und Marktbedingungen, was nicht immer gut ist, wenn man kreative Entscheidungen treffen muss. Erfahrung und Wissen dominieren jedoch tendenziell. Vielleicht fühlen sie sich nicht wohl, wenn sie von 25-Jährigen umgeben sind, aber solche Leute werden in unseren und anderen Unternehmen gebraucht, sie finden Arbeit genug leicht.

«Denkmal für meinen Urgroßvater – der Weißmeer-Ostsee-Kanal»

— Auf Ihrer Facebook-Seite habe ich meine Aufmerksamkeit auf einen kritischen Beitrag anlässlich des 100. Jahrestages der Oktoberrevolution, derer Folgen, auch für Belarus gelenkt. Gibt es Opfer kommunistischer, stalinistischer Repressionen in Ihrer Familie? Waren Sie schon in Kuropaty?

— Die Familien meiner beiden Eltern stammen aus Russland. Kuropaty haben zu meiner Familie keinen Bezug, aber der Weißmeer-Ostsee-Kanal ist ein Denkmal für meinen Urgroßvater mütterlicherseits. In väterlicher Linie gab es die Fälle der Enteignung der Großbauern in Karelien. In dem Haus, in dem meine Urgroßväter lebten, befindet sich jetzt eine Schule. Es war eine blutige, schwierige Zeit in der Geschichte. Andererseits ist die Sowjetunion für mich als ein soziales Experiment interessant, das auf einem großen Territorium durchgeführt wurde, dessen Ergebnisse sowohl Kosmonaut Jurij Gagarin als auch Millionen von Verfolgten, darunter auch Mitglieder meiner Familie sind.

Mit wem lohnt es sich sich zusammenzuschließen

— Im Moment gibt’s viele Gespräche über die Integration von Belarus und Russland. Wie halten Sie es damit?

— John Lennon schrieb 1971 das Lied Imagine, in dem es solche Worte gab:

Imagine there’s no countries

It isn’t hard to do…

You may say that I’m a dreamer

But I’m not the only one

I hope someday you’ll join us

And the world will be as one

Vielleicht wird es eines Tages keine Staaten auf dem Planeten geben und alle werden leben, wie John Lennon es gesungen hat. Wenn wir uns erfolgreiche Varianten der Vereinigung ansehen, es geht den vereinten Ländern besser als den uneinheitlichen. In der Europäischen Union reise ich von Land zu Land, und nur gelegentlich kann ich angehalten und überprüft werden, indem man auf das Nummernschild meines Autos achtet. Es ist nicht sehr gut, wenn du drei Stunden in Polen an der Grenze stehst, um einen Stempel in deinem Reisepass zu bekommen, und damit der Hund dein Gepäck riecht. Dies ist ein Beispiel für Vereinigung und Absonderung.

Bevor ich mich in der modernen Welt vereinige, würde ich sorgfältig überlegen, mit wem ich es machen soll. Sich mit dem Land zu vereinen, in dem der Schamane zum Hauptorgan der Verwaltungsgewalt gesendet wurde, um dieser Gewalt zu helfen, sich zu ändern… Ich denke nicht, dass ein solches Bündnis angestrebt werden sollte. Aber wenn die langen Schlangen in Brest reduziert würden, wäre dies ein bedeutender Schritt in Richtung einer nächsten Vereinigung.

Greta als moderne Jeanne d’Arc

— Bis jetzt diskutiert das Netzwerk heftig über den Vortrag der schwedischen Schülerin Greta Thunberg in der UNO mit der Kritik der aktuellen Situation mit dem Umweltschutz. Was halten Sie und Ihr Unternehmen davon?

— Ich finde den Vortrag von Greta Thunberg ausschließlich leidenschaftlich. Jeanne d’Arc konnte mit demselben Gesichtsausdruck über die Notwendigkeit sprechen, mit England in den Krieg zu ziehen. Ich bin überrascht über die Reaktion der Gesellschaft auf ihre Rede. Vielleicht liegt dies in unserer Zeit und bei Menschen in meinem Alter daran, dass Samantha Smith und andere Kinder – „Friedenskämpfer“ immer noch in Erinnerung bleiben. Daher wurde Greta in der gleichen Form präsentiert.

Leute, wenn ihr mit Greta nicht einverstanden sind, mit was sind ihr dann einverstanden? Es ist vernünftig, sich anzuschauen, was gerade passiert, und zu raten: Ist das die globale Erwärmung oder eine anthropogene Tatsache? Was wirst du als Nächstes tun? Mein Sohn und ich sind durch die Wüste in der Nähe von Dubai gefahren und gesehen, dass aus dem Sand die Plastikbeutel herausstecken. Es tötet sowohl den Wunsch als auch die Stimmung, die Welt zu sehen.

Ich freue mich über die Trends von kalifornischen oder europäischen Schulkindern, die Plastik sammeln oder Brot und Getränke in den Händen halten, ohne Beutel zu kaufen. Greta Thunberg hat eineinhalb Millionen junge Anhänger auf der ganzen Welt versammelt. Ich finde, das ist ein Kampf gegen Windmühlen. Die chinesische Fabrik wird so viele Beutel produzieren, dass keine Schüler und Studenten jemals sammeln können. Man muss zuerst gegen das Werk kämpfen und nicht gegen seine Produkte.

Uber und andere Unternehmen, die die Welt verändern

— Sie sind ein Vertreter einer jungen Generation von Geschäftsleuten. Wie unterscheidet sich die Wirtschaft des 21. Jahrhunderts von der Wirtschaft des 20. Jahrhunderts?

— Das 21. Jahrhundert zeichnet sich durch die Entstehung von Unternehmen wie Uber, Lebensmittellieferanten und vielen Messenger – Unternehmen aus. Die meisten von ihnen haben eines gemeinsam: Sie sind im klassischen Verständnis der Wirtschaft unrentabel. Der in ein Unternehmen investierte Geldbetrag kann nicht durch dessen Gewinn ausgeglichen werden. Wir beobachten die Kapitalisierung von Uber, während sein Einkommen in gewisser Weise zweifelhaft ist.

Es gibt Gründer, die ein Startup starten, das ab einer bestimmten Größe finanziert wird, dann Venture Capitalists ihr Kapital abziehen oder ihre Präsenz ausbauen. So oder so, Tag für Tag ist es immer noch ein Abszess, ohne den man sich unser Leben nicht vorstellen kann.

Uber hat einem breiten Kreis von Menschen auf der ganzen Welt gezeigt, dass sie einen Vermögenswert in ihren Händen haben, mit dem sie verdienen können. In Moskau wird jeder zweite Uber-Taxifahrer seine Geschäftsgeschichte erzählen, wie er einst ein hervorragender Unternehmer war, dann ist etwas schiefgelaufen, und jetzt gehorcht er niemandem und arbeitet als Freiberufler in seinem Auto. Oft sind dies Menschen in meinem Alter, angezogen in Anzüge, mit Krawatten, in weißen Hemden.

Diese Unternehmen verändern die Welt. Es ist unmöglich, sich diese Welt nur mit einem regelmäßigen Taxi vorzustellen. Wenn Sie Pizza möchten, öffnen Sie das Programm, hier ist Pizza. Selbst laufen, um sich ein Pizza zu holen –  sieht altmodisch aus. Die Unternehmen des letzten Jahrhunderts waren auf Profit ausgerichtet. Die Unternehmen dieses Jahrhunderts wachsen durch Kapitalisierung. Es ist interessant und beängstigend zugleich. Wir stehen vor der Herausbildung eines neuen Wirtschaftsparadigmas.

Ein kurzer Fragebogen von Radio Free Europe

F: Warum heißt das Unternehmen Andersen?
A: Das ist ein skandinavisches Wort, das mit A beginnt. In den meisten Bewertungen ist A vorne. Hans Christian Andersen ist berühmt für seine leuchtenden und lehrreichen Geschichten. Ich habe den Namen gefunden, als ich noch von meiner Firma geträumt habe. Aber wir sind keineswegs Geschichtenerzähler, wir sind für unsere Worte verantwortlich.

F: Welche Bücher lesen Sie?
A: Ich interessiere mich für soziale Phänomene. Jetzt lese ich «Psychologie der Massen» von Gustave Lebon. Die Spur hat «Das Reich muss sterben» von Michail Zygar hinterlassen, nach dem Lesen kann ich sagen, dass sich in Russland morgen alles ändern kann und in hundert Jahren nichts. Von den belarussischen Werken «Auf Rosstani» von Yakub Kolas, das beste klassische Buch des silbernen Zeitalters, das vor dem allgemeinen Hintergrund zu Unrecht nicht geworben wurde.

F: Welche Musik hören Sie im Auro?
A: Ich bleibe dem russischen Rock treu. DDT, Yurij Yulianovitsch Schevtschuk – zwei Drittel meiner Musiksammlung.

F: Beispiel und Vorbild?
A: Ich denke, ich sollte sagen, dass dies Steve Jobs und Bill Gates oder Elon Musk sind, aber ich bin teilweise von der Eifersucht dieser Personen geleitet, um ihr Niveau zu erreichen und in unserem bescheidenen Unternehmen mehr zu erreichen. Von den klassischen – Petr ​​Arkadjewitsch Stolypin. Eine ganzheitliche Persönlichkeit, ein Beispiel dafür, wie man mit Leib und Seele bei der Sache sein kann.

F: Halten Sie das harte Management von Steve Jobs für effektiv?
A: Jobs hat viel gegen seine Bemühungen getan. Er war extrem energisch, tatkräftig, charismatisch, leidenschaftlich und in Ergebnis hat er seine Absichten erreicht, aber es gab Zeiten, in denen seine eigene Firma ihn aus seinen Reihen gestrichen hat. Wenn Apple ihn nach dem Kauf des NeXT-Betriebssystems zurück nicht genommen hätte, hätten wir möglicherweise nichts über Jobs gewusst. Ich denke, dass er unter 9 falschen Entscheidungen eine geniale getroffen hat, die ihn nach vorne gebracht hat. Basierend auf dem Buch, das über ihn geschrieben wurde, war seine Brutalität aufgrund der überlebenden Mythen überzogen.

F: Wie kann man Sie beleidigen?
A: Alles, was mit Emotionen zu tun hat, kann auf professioneller Ebene viel Geld kosten. Geleitet von Beleidigung, persönlichem Mitgefühl und sogar Liebe, kann man dem Unternehmen wirklich schaden. Im professionellen Sinne versuche ich, kühl, ruhig und berechnend zu bleiben. In meinem persönlichen Plan kann mich Untreue, sowie hinter dem Rücken gesagten Wörter beleidigen, die nicht auf das Wesentliche zutreffen.

F: Zu wieviel Prozenten haben Sie sich selbst verwirklicht?
A: Die Männer konkurrieren zuerst mit ihren Konkurrenten, lebenden Marktteilnehmern und, nachdem sie die Lebenden besiegt haben, mit denen, die bereits gestorben sind. Es ist noch Platz zum Bewegen. Wir haben viel erreicht. Das Unternehmen entwickelt sich, wir eröffnen Büros in Frankreich und Deutschland. Bei den täglichen Herausforderungen ist es notwendig, auf dem sumpfigen Boden den nächsten festen Hügel abzutasten, um sich darauf zu stützen. Man muss die Fahne nach dem Winde drehen, um zu verstehen, ob man den richtigen Schritt macht…

F: Wie würden Sie einem gewöhnlichen Menschen erklären, was Ihr Unternehmen tut?
A: Unser Unternehmen macht die Welt besser.  Es bringt auf das Handy und den Computer die Programme, die er jeden Tag benutzt, in sein Auto – die Steuerungselemente. Die Weißrussen verwenden Andersen-Produkte, wenn sie Tickets bei den größten Anbietern dieser Dienstleistungen bestellen. In Russland sind das die Programme von Sberbank, Tinkoff. Der größte Einzelhändler für Haushaltsgeräte MediaMarkets ist auch unser Beitrag.

Foto: svaboda.org (RFE/RL)
Text: Hanna Sous

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